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Sehenswürdigkeiten um und in Pollenca

Schon bei kurzer Bekanntschaft erweist sich Mallorcas Norden als erstaunlich vielfältig. Um die beiden großen Buchten von Pollença und Alcúdia erstrecken sich kahle Felsberge im Wechsel mit fruchtbaren Feldern. Dazu gibt es kilometerlange Sandstrände, kleine Buchten und wildromantische Steilküste, alte Landstädtchen und lebhafte Ferienorte.
Plaza Mayor an einem ruhigen Markttag
Weitere Bilder395 Stufen - Der Kalvarienberg von Pollensa
395 Stufen - Der Kalvarienberg von Pollensa Bildrechte: in Reisefotografie
Denkmal und Brunnen am Torre de Can Desbrull
Denkmal und Brunnen am Torre de Can Desbrull Bildrechte: in Reisefotografie

Und alles liegt in fast unmittelbarer Nachbarschaft, von jedem Ort des Nordens aus leicht zu erreichen. Zum Rest der Insel sind die Verkehrsverbindungen ebenfalls gut, ein Vorzug, der dieses Gebiet als Standort prädestiniert. Aber natürlich ist auch der Norden nicht das reine Paradies. Besonders in der Bucht von Alcúdia stehen zwischen dem Ferienzentrum Port d’Alcúdia und der deutschen Hochburg Ca’n Picafort erschreckend hässliche Hotel- und Apartmentkolonien, die sich über Kilometer hinziehen. Etwas abseits des Trubels finden sich jedoch auch angenehme Fleckchen wie das unter Naturschutz gestellte Sumpfgebiet S’Albufera oder die bergige Halbinsel Victòria hinter dem alten Städtchen Alcúdia. Ruhiger zeigt sich die kleinere Bucht von Pollença mit der reizvollen Stadt Pollença und dem teilweise noch angenehm altmodisch anmutenden Küstenstädtchen Port de Pollença.

Die Bucht von Pollença

An beiden Seiten von weit vorspringenden Kaps geschützt, liegt die Bucht von Pollença oft so still da wie ein Binnensee. Friedvoll wirken auch weite Teile des Hinterlands. Die Badía de Pollença zählt zu den ruhigen Schönheiten Mallorcas. Sie erfreut nicht nur mit schöner Landschaft und der entspannten Atmosphäre der hiesigen Siedlungen, sondern ebenso mit guten Wandermöglichkeiten und einem vergleichsweise geringen Grad an Urbanisierung. Hier beginnt auch die spektakuläre Straße zum Felskap Cap de Formentor.

Pollença (Pollensa)

Eine schöne alte Stadt von rund 9.000 Einwohnern, die als „Kulturhauptstadt des Nordens“ gilt. Mit zahlreichen Kunstgalerien und einem traditionsreichen Musikfestival macht Pollença diesem Ruf auch alle Ehre. Das kleine Städtchen liegt einige Kilometer abseits der Küste, umgeben vom fruchtbaren Tal der Huerta de Pollença und geschützt von den nahen, überwiegend kahlen Bergen. Auf den ersten Blick machen die engen Gassen und die ockerfarbenen Hausfassaden aus Bruchstein einen ernsten Eindruck, der auch durch die hübsch verzierten Balkongitter kaum gemildert wird. Spätestens auf dem anmutigen Hauptplatz Plaça Major ändert sich jedoch das Bild. Platanen beschatten die Stühle der Straßencafés, auf denen sich ein oft recht buntes Publikum niedergelassen hat: Das Image als Künstlertreffpunkt pflegt Pollença offensichtlich erfolgreich. Es gibt erstaunlich viele Restaurants und Cafés, florierende Handwerksbetriebe und Läden, die teure Designerware feilbieten. Lang ist die Geschichte der Stadt. Frühe Siedlungsspuren an der Küste weisen weit in die Vorgeschichte. Wann Pollença selbst gegründet wurde, ist strittig. Die gängigste Hypothese geht davon aus, die Einwohner der nahen, beim heutigen Alcúdia gelegenen Römersiedlung Pollentia hätten sich nach deren Zerstörung durch die Vandalen hier niedergelassen und auch den Namen mitgebracht. Alt ist Pollença auf alle Fälle. Die Anlage des Stadtkerns zeigt maurischen Einfluss, auch wenn die Gebäude selbst großteils erst aus dem 17. und 18. Jh. datieren.

Sehenswertes

Parroquía Nostra Senyora dels Angels: Die rosettengeschmückte Pfarrkirche an der Nordseite der Plaça Major wurde bereits im 13. Jh. von den Templern gegründet und später neugotisch umgebaut. Innen ist sie großflächig mit Werken einer internationalen Künstlerschar vom Anfang des 20. Jh. ausgemalt.

Nostra Senyora del Roser/Convent de Santo Domingo: Vorbei an einem Park mit üppiger Vegetation, einem alten Wasserrad (Noria) und einem gotischen Turm erreicht man südlich der Plaça Major die säkularisierte Kirche, die mit dem Kreuzgang des benachbarten Klosters Santo Domingo (16./17. Jh.) eine Einheit bildet. Im Inneren des für Kunstausstellungen genutzten Gotteshauses verblieb noch der barocke Hauptaltar, eine schöne Orgel sowie das Grab des hiesigen Helden Joan Mas, der bei der Verteidigung gegen den Piraten Dragut eine bedeutende Rolle spielte. Der nahe Kreuzgang bildet die Kulisse des sommerlichen Musikfestivals. Die umliegenden Räume beherbergen das Stadtmuseum Museu de Pollença (Okt.–Juni Di–Fr 10.30–13 Uhr sowie Sa/So 11–13 Uhr, Juli–Sept. Di–Sa 10–13, 17.30–21 Uhr, So 10.30–13 Uhr; 1,50 €) das neben Werken des jährlichen Malwettbewerbs auch Töpferarbeiten des 15. Jh. und einige vorgeschichtliche Funde präsentiert.

Plazuela de L’Almoina: Von der Plaça Major sind es nur ein paar Schritte über den Carrer del Temple, benannt nach den Tempelrittern, deren Wappen an einer der Fassaden zu sehen ist, zum winzigen „Almosenplatz“ an der Kreuzung des Carrer Montesión mit dem Carrer Costa i Llobera. Hier soll der später heiliggesprochene Vicenç Ferrer gepredigt haben, und hier steht auch der hübsche, 1827 errichtete Hahnenbrunnen, das Wahrzeichen Pollenças.

Casa Museu Dionís Bennàssar: Am Carrer de la Roca 14 beherbergt ein schön hergerichtetes und mit Originalmobiliar ausgestattetes Gebäude das „Wohnhaus-Museum“ des örtlichen Malers Dionís Bennàssar (1904–1967). Bennàssar zählte zu jener Künstlergeneration, die zwischen der zweiten Hälfte des 19. Jh. und der ersten Hälfte des 20. Jh. Pollença den Ruf als „Kulturhauptstadt des Nordens“ verschaffte. Kern der Ausstellung sind, neben Zeichnungen, Aquarellen und Skulpturen, die Ölgemälde Bennàssars. Di–So 10.30–13.30 Uhr; Eintrittsgebühr 2 €.

El Calvari: Genau 365 von Zypressen gesäumte Stufen führen die Via Crucis hinauf zum Kalvarienberg, dem Stolz der Stadt. Der Aufstieg beginnt nördlich der Plaça Major neben dem Rathaus Ajuntament. Ganz oben auf dem 113 Meter hohen Hügel steht eine einfache kleine Kapelle aus dem 19. Jh., die eine wesentlich ältere Marienstatue birgt. Beeindruckend ist aber besonders der Blick über die Stadt, der sich von den verschiedenen Aussichtspunkten bietet.

Museu Martí Vicenç: Ein rund 300 Jahre altes Haus am Kalvarienberg beherbergt das Museum des politisch engagierten Künstlers und Handwerkers Martí Vicenç (1926–1995). Neben eigenen Arbeiten, die vorwiegend aus dem Bereich des Textildesigns stammen, enthält die Kollektion auch eine Sammlung alter Keramik sowie volkskundliche Gegenstände. So–Fr 11–14 Uhr (nicht immer verlässlich), Sa geschlossen; Eintritt frei.

Pont Romà: Am Nordrand der Stadt spannt sich die sogenannte „Römerbrücke“ über das Bett des Torrent de Sant Jordi. Ob die zweibogige Steinbrücke nun wirklich aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung stammt, gilt zwar nicht als gesichert – altehrwürdig genug sieht sie allemal aus.

Puig de María: 330 Meter hoch erhebt sich Pollenças Hausberg südlich der Stadt. Im Jahre 1348 soll nach einer Lichterscheinung hier oben eine Marienstatue gefunden worden sein. Als man sie ins Tal bringen wollte, wurde sie so schwer, dass acht starke Männer sie nicht vom Fleck bewegen konnten: Anlass genug für den Bau eines Frauenklosters, der Ermita de Nostra Senyora del Puig. Im 16./17. Jh. wegen der Piratengefahr zeitweise verlassen, wurde sie 1917 von Mönchen wieder aufgebaut.
Die wehrhafte Kirche, der Turm und auch der Speisesaal zeigen noch die klaren Züge der Gotik. Beeindruckender noch ist die fantastische Aussicht vom Kloster und seiner Umgebung auf die umliegenden Bergzüge, hinab auf Pollença und zu den Buchten der Küste.

Castell del Rei: Das „Kastell des Königs”, die Ruinen einer ursprünglich maurischen Burg, liegt in Küstennähe etwa sieben Kilometer nördlich von Pollença. Der Weg dorthin durch das Tal von Vernelles war lange von der Besitzerfamilie March gesperrt, ist nun aber nach vielen Querelen unter Auflagen wieder freigegeben worden – freilich nur nach vorheriger Anmeldung u.a. in den O.I.T.-Büros; mit einer Wartezeit von mehreren Tagen ist zu rechnen. (Ende Artikel)
Dieser Artikel stammt aus dem Reiseführer Mallorca, erschienen im Michael Müller Verlag. Den Reiseführer Mallorca können Sie direkt beim Verlag beziehen: Reiseführer Mallorca aus dem Michael Müller Verlag

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Artikel von Thomas Schröder, bei Hihawai veröffentlicht am 16.02.2012 um 08:59 Uhr
Letzte Änderung: 16.02.2012 um 09:30 Uhr
Copyright: ARR - Link: http://www.michael-mueller-verlag.de/cgi-local/mmv-partner.pl?title=mallorca&id=hih01
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