Fastnacht hat lange Tradition in der Schweiz: Mitte Februar nehmen Bruder Fritschi, König Rabadan und Prinz Karneval das Zepter in die Hand. Und das Schönste für die Narren: Wenn bei uns in Köln und Mainz schon alles vorbei ist, können sie in der Schweiz in die Verlängerung gehen. Denn wenn bei uns der Ernst des Lebens wieder los geht, fangen die Schweizer erst richtig an. Die Höhepunkte der Schweizer Fastnacht:
Fastnacht in Luzern
Luzern hält sich terminlich an die klassischen Zeiten zwischen Weiberfasching und Fastnachtsdienstag. Dann beherrscht Bruder Fritschi die Stadt. Er ist das imaginäre Oberhaupt der größten und ältesten Zunft Luzerns, der Zunft zu Safran, die um 1400 gegründet wurde. Die Fastnacht beginnt an Weiberfasching, das in Luzern der „Schmutzige Donnerstag“ genannt wird, um 5 Uhr morgens. Nicht für Langschläfer, aber die Nachteulen können ja auch vorher schon durchmachen. Ein Boot mit Bruder Fritschi an Bord fährt vom Vierwaldstättersee in Luzern ein. Nach seiner Ankunft gibt dann der „Urknall“ den Guggenmusiken und allen Fastnächtlern das Signal zum Start.
„Guuggemusige“ sind verkleidete und maskierte oder geschminkte Gruppen, die mit ihren Blech- und Schlaginstrumenten für wild-rhythmische Stimmung sorgen. Samba in Luzern? Der Höhepunkt für die Guggenmusiken ist der so genannte Monstercorso, ein riesiger Umzug über die Seebrücke und durch die Altstadt, das Zentrum der Straßenfastnacht.
Programm Luzerner Fastnacht
Fastnacht in Solothurn und Bellinzona
Auch Solothurn und Bellinzona feiern zu den klassischen Zeiten von Donnerstag bis Fastnachtdienstag. „S’passt“, so das Motto 2012 in Solothurn (Region Jura & Drei-Seen-Land), einer der schönsten europäischen Barockstädte. Der „Schmutzige Donnerstag“ beginnt mit dem „Chesslete“, einem Kinderumzug mit Konfettischlachten. Am Sonntag und Dienstag darauf finden große Umzüge durch Solothurn statt. Mit dem Böögg-Verbrennen ist am Aschermittwoch dann alles vorbei.
Auch in Bellinzona, der Hauptstadt des Tessin, beginnt der Karneval nach römischem Ritus am Donnerstag. Dann erhält König Rabadan den Stadtschlüssel. Es ist das Zeichen zum Auftakt der Festlichkeiten, die bis 21. Februar 2012 andauern. Im Tessin erfüllte der „Carnevale“ früher eine wichtige soziale Funktion. So hatten die Reichen dafür zu sorgen, dass die Armen vor der langen Fastenzeit noch einmal richtig viel essen konnten.
Wo nach Aschermittwoch noch die Post abgeht
Bieler Fastnacht
Die Bieler Fasnacht startet am Aschermittwoch mit dem „Charivari“ in der Altstadt. Bei einem Wettbewerb versuchen sich die Guggenmusiken mit originellen Beleuchtungen und Laternen zu überbieten. Danach wird Prinz Karneval auf dem Burgplatz inthronisiert. Der Bieler Stadtpräsident übergibt für fünf Tage den „Schlüssel“ der Stadt Biel an den Narrenprinzen. Ein Monsterkonzert beendet die Zeremonie. Anschließend folgt die traditionelle Fasnacht bis zum 26. Februar 2012 mit Platzkonzerten, einem großen Umzug, regem Betrieb in den Fastnachtskellern sowie den „Cliquen“-Zelten und -Wagen.
Faschingszunft Biel
Fastnacht in Bern und Zürich
In Bern tanzt der Bär: Am Donnerstag nach Aschermittwoch wird die seit 1982 bestehende Berner Fastnacht um 20 Uhr beim Käfigturm eröffnet. Dabei wird die traditionelle, bereits seit dem Mittelalter typische Berner Fastnachtsgestalt, der Fastnachtsbär, befreit. Danach tanzt der Bär – bis zum Sonntagmorgen mit den Bernern und Bernerinnen.
Verschiedene Highlights sorgen am ZüriCarneval vom 24. bis 26. Februar 2012 für Fastnachtsstimmung, wenn traditionelle Guggen- und Brauchtumsfastnacht, Monsterkonzert, Jazzmatinée und Konzerte stattfinden. Höhepunkt ist die große Straßenshow für alle, die grelle Glitter, verrückte Kostüme und Musik lieben.
Das größte Fastnachtsvolksfest der Schweiz: Die Basler Fastnacht
Montag nach Aschermittwoch - Punkt 4 Uhr morgens: Morgenstraich!
In ganz Basel gehen die Lichter aus und die „drei schönsten Tage im Jahr“ beginnen. Endlich wieder Basler Morgenstraich. Das einzige Licht kommt von den Laternen der Cliquen (Fastnachtsgruppen), die darauf ihre Themen präsentieren. Vor den Cliquen wird eine bis über drei Meter hohe Zuglaterne getragen oder auf einem Wagen gerollt. Auf den vierten Stundenschlag setzen sich die Cliquen in ihren individuellen Kostümen – meist zusätzlich mit kunstvollen Kopflaternen – in Bewegung. Musizierend geht es dann kreuz und quer durch die verdunkelte Innenstadt. Die Zuschauer genießen die traditionellen Fastnachtsspeisen: Mehlsuppe und Zwiebelwähe (Zwiebelkuchen) oder Käsewähe (ein pikanter flacher Kuchen mit Käse). Über 10 000 aktive Fastnächtler (ohne Zuschauer) nehmen jährlich an der Basler Fasnacht teil.
Basler Fastnacht
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