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Ägypten: Die große Sphynx von Gizeh

Die Araber nennen die unheimlich dreinblickende Kolossalstatute den "Vater des Schreckens" (Abu’l Hol). Die 73 m lange und 20 m breite Kalksteinfigur trägt, so sagen die Ägyptologen, auf ihrem Löwenkörper das Antlitz des Pharaos Chephren. Man nimmt an, dass der zur aufgehenden Sonne blickende Löwenmensch den Pharao beim Opfer für den Sonnengott symbolisieren sollte. Möglicherweise hat, so spekuliert man weiter, ein inmitten des Aushubs für die Cheops-Pyramide stehen gebliebener Felsknollen die Bildhauer des Chephren zur Gestaltung angeregt.
Die Grosse Sphynx von Gizeh

Archäologische Operationen an der Sphinx sind fast so alt wie die Statue selbst. Schon bald bis zum Kopftuch versandet, wurde sie vor 3500 Jahren unter Thutmosis IV. freigelegt, dem, noch Prinz, in einem Traum die Sphinx erschien und als Belohnung für gründliche Körperpflege den Thron versprach. Der "Vater des Schreckens" erfüllte seine Verheißung und ließ den älteren Bruder des Thutmosis, dem der Thron zugestanden hätte, unerwartet dahinscheiden. Pharao Thutmosis IV. bedankte sich mit einer Stele zwischen den Pranken der Sphinx.

Griechen und Römer befreiten das Monument mehrfach aus dem Sand. Das ägyptische Mittelalter war auch für den "Vater des Schreckens" eine schreckliche Zeit. Einem bilderstürmenden Scheich um 1380 werden erhebliche Zerstörungen des Gesichts zugeschrieben, und die verlorene Nase haben nicht etwa Asterix und Obelix auf dem Gewissen, sondern Mameluken, die die Sphinx als Ziel für Kanonenübungen missbrauchten.

Neuzeitliche Ausgrabungen fanden 1818 (Caviglia) und 1886 (Maspero) statt, 1925 befestigte man ausgebrochene Körperteile mit Zement. Die Erosion durch Luftverschmutzung, Wind und Veränderungen im Grundwasserspiegel setzte dem Kalkstein so zu, dass 1981 eine neuerliche Restaurierung begonnen und die Figur durch eine Mauer vor Souvenirsammlern geschützt wurde.

Nach heftigen Regenfällen und Sandstürmen verlor die Sphinx am Morgen des 10. Februar 1988 zwei 300 Kilo schwere Schulterstücke - und damit der Leiter der Altertümerverwaltung seinen Job. Nach den Vorschlägen einer internationalen Expertenkommission ging man wiederum daran, den Verfall des alternden Nationaldenkmals aufzuhalten. Dies wird nicht die letzte Reparatur bleiben, denn gegen die Schäden in den Eingeweiden der Sphinx hat bislang niemand ein Rezept. Das gestiegene Grundwasser löst den Kalkstein zu Pulver.

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Artikel von Ralph-Raymond Braun, bei Hihawai veröffentlicht am 31.01.2005 um 14:44 Uhr
Letzte Änderung: 02.12.2011 um 10:11 Uhr
Copyright: Michael Müller Verlag - Link: http://www.michael-mueller-verlag.de/cgi-local/mmv-partner.pl?id=hih01&title=aegypten
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