Am 11. April 2006 wurde die Stadt durch eine EU-Jury, neben Essen und Pécs zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 gewählt. Istanbul ist ebenso eines der islamischen Kulturzentren. Die Bosporus-Metropole Istanbul beherbergt eine Vielzahl sehenswerter religiöser und weltlicher Bauwerke, Straßen, Plätze und Parks, Museen, Kunstgalerien, Theater, Einkaufszentren und Basare. Das Angebot an kulturellen Veranstaltungen ist mit zahlreichen Konzerten, Ausstellungen, Musik- und Filmfestivals, Modenschauen sowie der Austragung sportlicher Wettbewerbe reichhaltig.
Byzanz und christliches Konstantinopel bis 1453
Theodosianische Landmauer
Im heutigen Stadtbild Alt-Istanbuls entdeckt man immer noch die antiken Ursprünge.
Einige Plätze und Bauwerke sind in der Anlage oder als Ruinen erhalten. Nur wenige haben die Jahrhunderte nahezu unverändert überdauert.
- das
Hippodrom (At Meydanı), angelegt 203 n. Chr.
- das Konstantinsforum mit dem Relikt der Konstantinssäule (Çemberli Taş, aufgestellt 328 n. Chr.)
- der Valens-Aquädukt (Bozdoğan Kemeri), gegen 368 n. Chr. vollendet
- die Theodosianische Landmauer, 424 n. Chr. vollendet
- die Seemauer am Marmarameer, 439 n. Chr. von Theodosius II. in Auftrag gegeben
- verschiedene Ehrensäulen und -bögen, z. B.
der 20 m hohe Obelisk Thutmosis III. (15.
Jhd. v. Chr.) aus Rosengranit, der im 4. Jhd. n. Chr. von Karnak (Ägypten) nach Konstantinopel gebracht und 390 n. Chr. auf der Spina des Hippodroms aufgestellt worden ist
- Zisternen wie der "versunkene Palast" Yerebatan Sarnıcı, 6. Jahrhundert n. Chr.
Fast unversehrt haben einige Kirchen zunächst als Moscheen, dann als
Museen überlebt:
- die
Hagia Sophia (Ayasofya Camii, Kirche der Heiligen Weisheit), 537 n. Chr. geweiht
- die Pammakaristós-Kirche (Fethiye Camii), im 11. oder 12. Jahrhundert n. Chr. gegründet
- die spätbyzantinische Chora-Kirche (Kariye Camii), in ihrer jetzigen Erscheinungsform aus dem 14. Jahrhundert
- die Hagia Eirene, welche der Umwandlung in eine Moschee entging und als Arsenal benutzt wurde
Osmanisches Konstantinopel
Die osmanischen Sultane und ihre höchsten Würdenträger strebten sofort nach der Eroberung Konstantinopels danach, ihre Macht und ihren Glauben sichtbar zu demonstrieren, so wie das auch die christlichen Herrscher getan hatten. Die Übernahme griechischer Handwerker, griechischer Bauformen und sogar ganzer griechischer Gebäude dienten diesem Zweck. So erstaunt es keineswegs, dass der bedeutendste osmanische Architekt, Sinan, kein Türke war. Dennoch bildete sich ein eigener osmanischer Baustil heraus.
Ab dem 18. Jahrhundert geriet die osmanische Architektur immer mehr unter den Einfluss westeuropäischer Stile wie Barock (Lâleli Camii), Klassizismus und Jugendstil (Kamondo Merdivenleri, Beyoğlu). Der Versuch, wenigstens äußerlich Osmanisches beizubehalten, auch wenn der Kern längst von westlichen Technologien bestimmt war, führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem osmanischen Historismus, der noch die in die neue Zeit der Türkischen Republik hineinragende "Erste Nationale Architekturbewegung" charakterisierte.
Die osmanische Architektur zeigt sich vor allem
- in den Palästen und Residenzen
- in den Moscheen und den zugehörigen Stiftungsgebäuden, Külliyen genannt
- in den großen, mehrstöckigen Handelshäusern, Herbergen und Magazinen
- in den Basaren
- in Zweck- und Schmuckbauten
Residenzen
Der
Topkapı Sarayı (Topkapi-Palast) war bis 1856 Wohnung der Sultansfamilie (Harem) und Herrschersitz (Diwan) und damit Zentrum der Macht. Dieser immer wieder umgestaltete, vielgliederige Sultanspalast liegt exponiert an der Spitze der zwischen Goldenem Horn, Bosporus und Marmarameer gelegenen Halbinsel. Er ist eine touristische Hauptattraktion des heutigen Istanbul.
- Der Dolmabahçe Sarayı (Dolmabahçe-Palast) von 1856 auf der europäischen Seite des Bosporus zeigt sinnfällig, dass die Sultane im 19. Jahrhundert auch äußerlich danach strebten, sich dem europäischen Westen anzugleichen.
Moscheen
Steter Ausdruck von Glaube, Macht und imperialem Willen der osmanischen Würdenträger sind die Großmoscheen, meist gestiftet von den Sultanen, deren Familienangehörigen, den Wesiren und anderen Würdenträgern des Staates. Die meisten Moscheen schließen
sich der Bauidee der Hagia Sophia an.
Zum überkuppelten Gebetsraum gehören zudem ein umgrenzter Vorhof (avlu) und meist eine Külliye mit Medresen, z. B. genutzt als Grundschule (mektep), theologische Schule oder Ärzteschule, mit Wohnzellen der Studenten (hücre), Hospital (dar-üş-şifa), Hospiz (tabhane), Armenküche (imaret), Bibliothek (kütüphane), Karawanserei (kervansaray), Bad (hamam) und Grabbauten (türbe), manchmal auch mit einem Observatorium für glaubensrelevante Zeit- und Kalenderberechnungen (muvakkithane).
Eine Auswahl typischer Moscheen:
- aus der osmanischen Frühzeit
- Mahmut Paşa Camii - älteste erhaltene Großmoschee von 1462
- Sultan Beyazıt Camii - älteste erhaltene Sultans-Moschee von 1506
- Moscheen des Architekten (Mimar) Sinan
- İskele Camii in Üsküdar - erste von Sinan geschaffene Moschee von 1548
- Şehzade Camii - Sinans "Lehrlingsstück" von 1548
- Sultan Süleyman Camii - Sinans "Gesellenstück" von 1557
- Rüstem Paşa Camii - Stiftung eines Großwesirs, ausgestattet mit wunderbaren İznik-Fliesen, von 1561
- Piyale Paşa Camii - Sinans (?) Rückgriff auf den Ulu-Cami-Typ mit mehreren kleineren Kuppeln, vor 1578
- Nachklang
- Yeni Camii - malerisch am Goldenen Horn gelegen, Bauzeit von 1597 bis 1663
- Sultan Ahmet Camii - die berühmte "Blaue Moschee" von 1617
- Sultan Mehmet Fatih Camii - Neubau der Eroberermoschee nach einem Erdbeben 1766, Mittelpunkt einer stilbildenden Külliye
- Eyüp Sultan Camii - Moschee mit dem Grab von Mohammeds Bannerträger, bedeutendes spirituelles Heiligtum des Islam, gegründet 1458, Neubau in eher tradtionellem Stil von 1798-1800
- Osmanischer Barock
- Nuru Osmaniye Camii - kühner Kuppelbau aus ursprünglich weißem Marmor mit halbrundem Vorhof, von 1755
- Lâleli Camii - 1763 fertiggestellt, nach Erdbeben 1783 erneuert, effektvolle Barockmoschee mit kleinem Basar im Untergeschoss
- Nusretiye Camii, Moschee für die Soldaten der einst nebenan gelegenen Kasernen, von 1826
- Dolmabahçe Camii - unmittelbar am Ufer des Bosporus, Teil der gleichnamigen Palastanlage von 1853
- Ortaköy Camii von 1854
Basare und Handelshäuser
- der große
Gedeckte Basar (Kapalı Çarşı), der Ägyptische Basar (Mısır Çarşısı) und der Bücherbasar (Sahaflar Çarşısı)
- der Valide Hanı und der Rüstem Paşa Hanı.
Zweck- und Schmuckbauten
- Çemberlitaş-Hamam in Çemberlitaş
- Galatasaray-Hamam in Beyoğlu
- Brunnen
- Reinigungsbrunnen (şadırvan) innerhalb eines Moscheevorhofes (avsu), z. B. der achteckige Brunnen der Yeni Cami
- Brunnenhäuser (sebil), z. B. der Valide Sultan Turhan Hadice Sebili bei der Yeni Cami
- Laufbrunnen (çeşme), z. B. der Brunnen von 1906 am deutschen Generalkonsulat
- der vom deutschen Kaiser Wilhelm II. gestiftete Deutsche Brunnen auf dem Hippodrom
- Türben
- Mausoleen verschiedener Mitglieder der Sultansfamilien und hoher Würdenträger bei der Süleymaniye Camii, der Hagia Sophia und bei der Eyüp Camii
- Militäranlagen
- Selimiye-Kaserne in Üsküdar
- Befestigungen
- Yedikule („Burg der sieben Türme“) am Südende der Landmauer
- Rumeli Hisarı und Anadolu Hisarı am Bosporus
- Türme
- Galataturm
- Beyazıtturm (Seraskerturm)
- Leanderturm (Kız kulesi, „Mädchenturm“) auf einer Bosporusinsel vor Üsküdar
- Brücken
- alte
Galatabrücke, zwischen 1845 und 1912 mehrmals umgebaut, jetzt ersetzt und verschoben
- Bahnhöfe
- der europäische Kopfbahnhof Sirkeci
- der asiatische Kopfbahnhof Haydarpaşa
- Wohngebäude
- Straßenzüge mit meist mehrstöckigen Holzhäusern findet sie man z. B. noch in Fatih und in Üsküdar
- Sommervillen aus Holz (yalı) an beiden Ufern des Bosporus, in jüngerer Zeit teilweise gut renoviert
- Mietshäuser mit Geschäften und Handwerksbetrieben im Untergeschoss entstanden nach europäischen Vorbildern vor allem im 19. Jahrhundert, z. B. in Beyoğlu
- Botschaftsgebäude in Beyoğlu, heute meist Konsulate
- Kirchen und Synagogen, darunter
- die bulgarisch-orthodoxe „Eiserne Kirche“ St. Stefan in Fener
Quellenangabe: Der Text dieses Artikels basieret auf der freien Enzyklopädie Wikipedia