Am 22. September 1878 brach der junge schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson – Autor von „Die Schatzinsel“ und „Dr. Jeckyll und Mr. Hyde“ – in Monastier sur Gazeille (Département Haute Loire) auf, um die Cevennen zu Fuß zu durchstreifen."

"Zwölf Tage lang marschierte
Stevenson begleitet von der Eselin Modestine durch die menschenleere
Bergregion, bis er seine Wanderung in Saint-Jean-du-Gard beendete. Sein
Reisetagebuch, das er 1879 unter dem Titel „Reise mit einem Esel durch
die Cevennen“ veröffentlichte, ist längst zum Klassiker avanciert
(derzeit aber nicht in deutscher Sprache lieferbar). In Gedenken an
Stevensons Wanderung lässt sich heute die Strecke auf dem Fernwanderweg
GR 70 zurücklegen. Auf Wunsch kann man sogar einen Esel für die
Gepäckbeförderung mieten." *
Diesen Reisetipp fand ich im
Reiseführer Südfrankreich vom Michael Müller Verlag. Grund, mal ein
wenig zu recherchieren. Denn erstens: Wo nochmal waren die Cevennen?
Hatt ich mal irgendwo im Atlas gesehen, aber unter ferner liefen wieder
vergessen. Und zweitens: Was macht ein Robert Louis Stevenson in den
Cevennen? Einen Autor, den ich an den exotischsten Plätzen der Welt
vermutet hätte. Aber die Cevennen? Wie und warum kommt er dahin?
Also erste Frage: Die Cevennen sind ein französisches Mittelgebirge.
Viele von uns sind auf der "Autoroute de Soleil" schon in weniger als
80 Kilometer Entfernung daran vorbeigebraust: Richtung Süden, kurz vor
der Gabelung bei Orange, da wo es links an die "Côte D' Azur" geht und
rechts nach Spanien. Da, wo wir immer so darauf achten, uns ja nicht zu
verfahren und alle Sinne auf die Schilder richten. Da hätten wir in der
Ferne die Cevennen sehen können. Rechts von uns. Es gibt sogar einen
Nationalpark Cevennes. Seit 1970 schon. Dessen Gebiet erstreckt sich
über einige Berge und Hochplateaus. Eine wunderschöne Gegend zum
Wandern und Fahrradfahren (zumindest im Frühjahr, wenn es noch nicht so
heiß und die Hänge noch grün sind) scheint es mir. Bekannt ist die
Region vor allem durch den Kanu- und Outdoortourismus. Wenn es dann
doch zu heiß sein sollte, gibt es genügend Abwechslung. Die Höhlen von
Demoisselles, zum Beispiel, eine wunderschöne Tropfsteinhöhle in der
Nähe von "Saint-Bauzille-de-Putois".
Robert Louis Stevenson, den ich eigentlich für einen Amerikaner
gehalten hätte, war Schotte, ein kränklicher dazu. Aber dafür ziemlich
unternehmungslustig. "Treasure Island" sein bekanntester Roman, den wir
in Deutschland als "Die Schatzinsel" kennen, entstand schon 1881. Zu
einer Zeit, als Stevenson noch keinen einzigen Fuß in entlegene,
exotische Länder gestellt hatte (Soweit ich das herausgefunden habe).
In die Südsee, nach Samoa, Hawaii und ähnliche Paradiese konnte er erst
in den letzten Jahres seines kurzen Lebens reisen. Das erinnert mich
doch ein wenig an unseren Karl May. Vorher trieb er sich im heutigen
Belgien, Frankreich und natürlich seiner Heimat herum. In Frankreich
hatte er sich in die verheiratete, aber getrennt lebende Amerikanerin
Fanny Osbourne verliebt, mit der er in Paris zusammen lebte und die er
gerne heiraten wollte. Fanny war aber noch nicht zur Scheidung bereit
und reiste im August 1878 nach Amiland zurück. Stevenson begann seine
12-tägige Eselswanderung kurz darauf am 22. September. Na, alles klar?
Natürlich haben die zwei sich später doch noch gekriegt, als Steveson
im folgenden Jahr seiner Fanny in die USA gefolgt ist. Findet ihr das
alles nicht auch ziemlich romantisch?
Wenn ja, und es vielleicht mit dem oder der Liebsten gerade nicht so
klappt: Den Weg von Stevenson gibt es immer noch: Als ausgeschilderter
Fernwanderweg GR70. Und Esel zur Gepäckbeförderung (!) gibt es auch
immer noch zu mieten.
Links zu Stevenson:
http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Louis_Stevenson
http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2004/12/03.jhtml
Stevenson bei Amazon.de
Links zu den Cevennen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Cevennen
GR70 - Der Stevenson Trail
Wandern in den Cevennen
Der Stevensonweg GR70
Florac
Wander- und Reiseführer Cevennen
* Zitat aus dem Reiseführer Südfrankreich, erschienen im Michael Müller
Verlag.
Mehr zum Reiseführer Südfrankreich finden Sie hier.
Artikel von Hihawai, bei Hihawai veröffentlicht am 09.07.2010 um 12:15 Uhr
Letzte Änderung: 09.07.2010 um 12:22 Uhr
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