Ein Artikel von Ralf Nestmeyer,
dem Autor des Reisehandbuchs über "Languedoc - Roussillon" aus dem
Michael Müller Verlag.
Er hat sich der Entstehung des "Aussteiger"-Dorfs gewidmet, das auch
heute noch nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren hat.
Die sechziger und siebziger Jahre
des 20. Jahrhunderts waren die große Zeit des Aufbruchs: Globetrotter
und Hippies zogen durch die Welt, um ihren Traum von einem alternativen,
ungebundenen Leben zu verwirklichen. Zum großen Tross der Aussteiger
gehörten auch Klaus Ehrhardt und seine aus
Amerika stammende Frau Jean,
die zusammen mit ihren Kindern Europa und den Mittelmeerraum bereisten.
Im Gegensatz zu den vielen Blumenkindern, die dem Müßiggang frönten, suchten Klaus und Jean nach einem Ort fernab der großen Zentren, an dem sie auch mit ihren Kindern heimisch werden konnten. So verschlug es sie nach Südfrankreich, in den
Haut Languedoc, wo sie den Bauern bei der Obsternte und Weinlese halfen.
- Frankreich war beliebt in jenen Jahren, die französische Lebenskultur galt als Gegenentwurf zum strebsamen deutschen Arbeitsethos. Der Existentialismus war in aller Munde, französische Autos genossen einen
Kultstatus wie die legendäre Ente oder der DS mit seinem Haifischmaul ...
Durch Zufall »entdeckten« Klaus und Jean 1965 in einem Seitental des Jaur einen verlassenen Weiler namens
Bardou. Sie verliebten sich sofort in den verwunschenen Ort. Hier wollten sie leben und arbeiten! Doch es sollten noch zwei Jahre vergehen, bis die Erhardts das am Ende eines
engen Tals liegende Bergdorf samt mehreren hundert Hektar Land, bestehend aus Felsen, Bergweiden und Äckern, Eichen- und Kastanienwäldern, erwerben konnten; mit nicht weniger als zwölf Besitzern (oder Erbengemeinschaften) mussten sie sich für ihr großes Vorhaben arrangieren. Die Einheimischen schüttelten den Kopf, da sie nicht nachvollziehen konnten, warum jemand freiwillig auf Strom und
andere Annehmlichkeiten des modernen Lebens verzichtete, um in dieser Einöde zu leben.
Ein Reisetipp aus dem Reiseführer Languedoc-Roussillon, erschienen im
Michael
Müller Verlag.
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Artikel von Ralf Nestmeyer, bei Hihawai veröffentlicht am 20.02.2004 um 05:00 Uhr