Spätestens seit dem Musical kennt jeder seinen Namen: Antoni Gaudi. Sein Leben, der Stoff aus dem die Dramen sind: Geboren als Sohn eines Handwerkers, in seiner Jugend äußerst kränklich, steigt er auf zum bedeutendsten Architekten seiner Zeit. Und dann, obwohl er die Stadt Barcelona auf einzigartige Weise geprägt hat und man meinen sollte, dass er wohl der bekannteste Einwohner der katalanischen Hauptstadt sei, wird er im Alter von 74 Jahren von einer Straßenbahn erfasst und unerkannt ins Armenhospital gebracht wo er nach 3 Tagen verstirbt.
Wer heute nach Reus, der Geburtsstadt des
Antoni Gaudí i Cornet kommt, stellt schnell fest: Schönes Städtchen, aber nix los. So mag das auch der junge Gaudi empfunden haben. Wegen Rheumas konnte er kaum mit gleichaltrigen spielen oder rausgehen. So blieb ihm nicht viel mehr als die Arbeit seines Vaters und die Natur zu beobachten.
Kein Wunder, dass es ihn in jungen Jahren nach Barcelona, dem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens Nord Spaniens führte.
Dort benahm er sich äußerst großspurig und war auf jedem Fest zu sehen - ein Dandy, wie Oscar Wilde es genannt hat. Ein Verhalten, dem er es wohl auch zu verdanken hat, dass er seinen Gönner Eusebi Güell kennen lernte. Dieser finanzierte direkt mehrere Arbeiten Gaudi's, und als einer der einflussreichsten Bürger Barcelonas war wohl auch bei der Vergabe von Aufträgen Dritter nicht unbeteiligt.
Gaudi's Bauten sind bis heute einzigartige Monumente eines genialen Geistes: Ecken sucht man an seinen Bauten vergeblich, Gerade Pfeiler und Stützen nannte er Krücken. Gaudi sah sein Werk als die Fortführung des Werkes Gottes, die Natur als Vorbild: Häuserfassaden wie die Dünung des Meeres, Schornsteine wie Pilze, Dächer wie eine Mischung aus Schnee und Zuckerguss. Gaudi's Bauten sind Schöpfungen aus Stein und Mosaiken: lebendig und üppig, genial überladen und doch nicht kitschig.
Dabei war er auch noch ein Sparmeister: Immer wieder findet man originelle, günstige sowie geniale architektonische Lösungen für seine Projekte: Die Mosaiken im
Park Güell etwa wurden aus den Abfällen, den Scherben einer Keramikfabrik hergestellt. Im Wohnhaus
Casa Milà baute er ein Belüftungssystem ein, das jede Klimaanlage überflüssig macht. Auch ein Beitrag zur CO2 Reduzierung. Schade, dass Gaudí so wenige Nachfolger gefunden hat. Eigentlich gar keinen.
Gaudi spaltete die Menschen seiner Zeit in 2 Lager. Seine Bauwerke waren äußerst umstritten. Genau wie der Mann. Gaudi's Leben wird als ein Leben voller Widersprüche bezeichnet: In der Jugend ein Angeber, als Greis vereinsamt; in der Jugend hielt er nichts von der Kirche, im Alter arbeitete er fast nur noch für die Kirche. Sein Hauptwerk die
Sagrada Familia ist immer noch unvollendet und heute die wohl schönste Baustelle der Welt.
In Gaudi's 74ten Lebensjahr geschieht das Unglaubliche: Wie jeden Morgen besucht Gaudi das Oratorium des heiligen Philipp Neri, will dann zu seinem Arbeitsplatz in der Sagrada Familia. Auf dem Weg dorthin wird er von der Straßenbahn erfasst. Keiner erkennt ihn. Alt und verwahrlost, wie er aussieht, wird Gaudi in das Armenhospital
Hospital de la Santa Creu gebracht. Dort bleibt er drei Tage unerkannt bis er von einem seiner Mitarbeiter gefunden und in ein Privatzimmer verlegt wird. Wenige Stunden danach verstirbt Antoni Gaudi. Ganz Spanien trauert.
Links